Ob Alkohol, Nikotin, illegale Drogen oder Medikamentenabhängigkeit, Kaufsucht, Spielsucht, Arbeitssucht oder Internetsucht: Die Liste der substanzbezogenen wie auch nicht substanzbezogenen Abhängigkeitserkrankungen, an denen wir leiden, ist lang und stetig wachsend.
Gemein ist allen Suchterkrankungen, dass vom Patienten versucht wird, eine Erfahrung, welche als besonders positiv erlebt wurde (dabei kann es sich auch um das Auflösen vorbestehender negativer Gefühle handeln), ohne Rücksicht auf negative Konsequenzen und zur Vernachlässigung aller anderen Interessen stets aufs Neue zu wiederholen. Da durch die wiederholte Konsumation jedoch eine Gewöhnung an dieses gesuchte positive Erleben eintritt, kann die Intensität dieser Erfahrung aber in der Regel zunehmend nur über eine Steigerung der Dosis (und im späteren Verlauf der Abhängigkeitserkrankung häufig auch gar nicht mehr)

erreicht werden. Andererseits verlieren andere Tätigkeiten und Interessen zunehmend an Reiz, da die durch diese Tätigkeiten auslösbaren positiven Gefühle nicht so verlässlich erzeugt werden können wie durch das Suchtmittel, und auch deren Intensität in aller Regel deutlich geringer ausfällt. So wird mit der Entwicklung einer Abhängigkeitserkrankung mit der Zeit dem Konsum des Suchtmittels Vorrang vor allen anderen Lebensbereichen eingeräumt und auch die negativen Folgen der Vernachlässigung anderer Bereiche wie Beruf, familiärer Zusammenhalt, allgemeine soziale Einbindung, frühere Interessen und Hobbys etc. werden dafür in Kauf genommen.
Bei einer Abhängigkeitserkrankung kommt es also zu einer Verarmung der Lebenswelt, bis schließlich andere Optionen als das Suchtmittel zur Erzeugung positiver Gefühle fast nicht mehr vorhanden sind. Dadurch wird nicht nur die Konzentration auf das Suchtmittel noch weiter verstärkt, es wird auch immer schwieriger, zu einem Leben ohne das Suchtmittel zurückzufinden, da zunehmend „die Brücken abgebrochen“ wurden und ohne das Suchtmittel die Probleme in allen anderen Lebensbereichen auch für den Abhängigen offen zu Tage treten. Zurück bleibt schließlich nur ein intensives Gefühl der Unlust und der inneren Leere, wobei scheinbar einzig der neuerliche Konsum des Suchtmittels diesen für den Betroffenen unerträglichen Zustand zu beenden verspricht. Man spricht hier von der Entwicklung einer Suchtspirale, bei der in einem sich zuspitzenden Kreislauf vom Abhängigen versucht wird, den ursprünglich beim Konsum des Suchtmittels erlebten positiven Gefühlen nachzujagen und zugleich den zunehmend negativeren Gefühlen ohne Konsum davonzulaufen („dem Rausch hinten nach und dem Entzug davon“).
Wesentlich für die Entstehung einer Suchterkrankung ist, dass in aller Regel auch schon zu Beginn der Suchtentwicklung Gründe vorliegen, weshalb die „Flucht in die Sucht“ überhaupt erst zur Verlockung werden kann, d. h. das Suchtmittel hilft von Anfang an dabei, entweder positive Gefühle erst wirklich erlebbar zu machen oder Unlustgefühle zu vermeiden oder aufzulösen.
In den letzten Jahren konnten die neurobiologischen Zusammenhänge dabei immer besser verstanden werden, wobei sich auch gezeigt hat, dass kein grundsätzlicher Unterschied zwischen den herkömmlichen rauscherzeugenden Drogen wie Alkohol oder illegalen Drogen und den sogenannten „Verhaltenssüchten“ wie Spielsucht, Kaufsucht, Sexsucht und anderen besteht, was die dabei im Gehirn ablaufenden Vorgänge anbelangt.
Der vordergründige Unterschied, dass etliche (aber nicht alle) klassische Drogen körperliche Entzugssymptome erzeugen, wird in der Bedeutung für den Suchtmechanismus wie auch für die Gefährlichkeit einer Sucht häufig überschätzt, die psychische Abhängigkeit hingegen häufig stark unterbewertet und auf eine „Willensschwäche“ reduziert. Dabei zeigt sich aber zum einen, dass die psychische Abhängigkeit für den Krankheitsverlauf oft wesentlich entscheidender ist und zum anderen, dass auch die Verhaltenssüchte tatsächlich mit vegetativen Entzugsbeschwerden einhergehen können, wodurch diese Trennung zumindest teilweise in Frage gestellt wird.
Die viel höhere gesellschaftliche Akzeptanz bis hin zur Bagatellisierung wie auch die allgemeine Verfügbarkeit stellen für die Entwicklung und Erhaltung einer Abhängigkeit gegenüber erlaubten Drogen wie auch bei den Verhaltenssüchten einen entscheidenden Einfluss dar. Nicht umsonst ist der Alkoholismus in unserer Kultur mit großem Abstand vor den illegalen Drogen eine der häufigsten und sozial insgesamt problematischsten Suchterkrankungen.
Eine gewisse Abweichung von den oben geschilderten Mechanismen besteht demgegenüber für manche bei zwar weniger intensiven, dafür aber nahezu ständig und gleichsam „nebenbei“ konsumierbaren Suchtmitteln, bei denen die geringere „Rausch“-Intensität durch die kontinuierliche Konsumierbarkeit und auch das weitgehende Fehlen von direkt spürbaren negativen Konsequenzen des Konsums in der Suchtentwicklung wettgemacht wird.  Das klassische Beispiel hierfür ist die Nikotinabhängigkeit, allerdings weisen auch manche Verhaltenssüchte wie etwa die Arbeitssucht, die Esssucht oder auch manche Varianten der Internetabhängigkeit starke Ähnlichkeiten mit dieser Form der Suchterkrankung auf.
Eine erfolgreiche Suchttherapie soll deshalb insgesamt die Abhängigkeitserkrankung als eigene, vollwertige Störung wahrnehmen. Zugleich muss diese aber auch selbst als Symptom dahinterstehender Gründe für die Suchtentwicklung verstanden werden. Eine reine Entzugsbehandlung ist daher auch häufig nicht ausreichend, um ein wiederholtes Rückfallsgeschehen zu verhindern. Nur wenn die von der Sucht hinterlassenen Löcher und Bruchstellen im Leben wieder hinreichend gekittet und die Ursachen für Entwicklung und Aufrechterhaltung der Sucht bearbeitet werden, kann auch von einer echten Entwöhnung gesprochen und der Sucht selbst auf Dauer die Macht genommen werden.
Bei Erstkontakt stehen zumeist Diagnostik und Beratung im Vordergrund.  Die Behandlung erfolgt dann als ambulante Entzugs- oder Entwöhnungstherapie, als Nachbetreuung im Anschluss an einen stationären Entwöhnungsaufenthalt oder als Weiterbetreuung bei stabilen Patienten und kann rein therapeutisch-beratend oder auch medikamentös gestützt erfolgen.