Als Neuropsychiatrische Syndrome werden all jene Störungsbilder bezeichnet, bei denen klar darstellbare gehirnbiologische Erkrankungen Auswirkungen auf geistige Fähigkeiten, Verhalten und Persönlichkeit der betroffenen Patienten haben.
Die häufigste und bekannteste dieser Störungsbilder stellt die Gruppe der dementiellen Erkrankungen dar, bei denen wiederum zumeist an die Alzheimer-Demenz gedacht wird. Diese ist zwar tatsächlich die verbreitetste unter den Demenzen, allerdings sind auch die Vaskuläre Demenz sowie Mischformen beider sehr häufig. Beide Erkrankungen häufen sich stark mit zunehmendem Lebensalter und die Zahl der von ihnen Betroffenen steigt deshalb auch mit der Verbesserung der medizinischen Versorgung und der Zunahme der allgemeinen Lebenserwartung in unserer Gesellschaft immer weiter an.

Dennoch können beide Erkrankungen mitunter schon in jüngeren Lebensjahren zum Ausbruch gelangen und sollten dabei nicht übersehen werden. Frühe Symptome können dabei eine gewisse Vergesslichkeit, „Schusseligkeit“ die kleinen Dinge des Alltags betreffend oder kurze Verwirrtheitszustände sein, wie sie mitunter auch bei geistiger Ablenkung auftreten können, sich hier aber zunehmend auffällig zu häufen beginnen. Auch die Gefühlswelt der Betroffenen zeigt manchmal schon früh Veränderungen, wenngleich diese zu Beginn noch wenig charakteristisch sind. So kann etwa eine anhaltende depressiv-anmutende Verstimmung bei älteren Patienten auf eine beginnende Alzheimer-Demenz hinweisen und eine sich entwickelnde Neigung zu Gefühlsduselei oder starken Gefühlsschwankungen auch ein Zeichen mancher Formen vaskulärer Demenz sein.
Seltener können auch zunehmende paranoide Ängste, bestohlen, bedroht oder verfolgt zu werden, oder auch andere wahnhaft anmutende Überzeugungen die Angehörigen auf das Krankheitsgeschehen aufmerksam machen, wobei solche Symptome häufig erst im späteren Verlauf hinzukommen und dann erheblichen Leidensdruck bei Patienten wie Angehörigen hervorrufen können. Ebenso werden mit fortschreitendem Krankheitsverlauf auch Verwirrtheit und Vergesslichkeit immer ausgeprägter und andauernder, sodass diese auch zur Gefährdung der Betroffenen führen können, wenn beispielsweise vergessen wird, den Herd abzudrehen oder Betroffene mit spärlicher Bekleidung im Winter auf der Straße herumirren und den Weg nach Hause nicht mehr finden.
Eine entsprechende medikamentöse Behandlung kann diesen Verlauf zwar nicht vollständig aufhalten, dennoch ist es oft möglich, ihn zu verzögern. Auch die Störungen des Verhaltens und des emotionalen Erlebens der Patienten, welche für Patienten wie Angehörige meist besonders belastend sind, können häufig mit der richtigen Medikation deutlich verbessert werden.
Neben Alzheimer-Demenz und Vaskulärer Demenz gibt es jedoch noch eine ganze Reihe anderer Demenzformen, welche nicht selten auch bereits in jüngeren Jahren als die vorgenannten auftreten können und in der Diagnostik immer berücksichtigt werden sollten. Dazu zählen unter anderem die verschieden frontotemporalen Demenzformen, die Lewy-Body-Demenz, Demenzen bei Morbus Parkinson oder HIV-Erkrankung und andere mehr [u. a. m.].
Neben den Demenzen können neuropsychiatrische Syndrome aber auch das Ergebnis eines Schlaganfalles oder einer Blutung, eines Schädel-Hirn-Traumas oder einer notwendigen Operation, einer Entzündung, einer Vergiftung oder einer anderen akuten oder chronischen Erkrankung oder Schädigung des Gehirns sein. Je nachdem ob das Gehirn an einer kritischen Stelle oder diffus geschädigt wird, können die resultierenden Symptome dabei recht unterschiedlich sein und nur bestimmte Leistungen wie Gedächtnis oder Sprache betreffen oder weitreichende Folgen nach sich ziehen, die alle Bereiche des intellektuellen Leistungsvermögens, des emotionalen Erlebens und der Gefühlskontrolle und des Verhaltens beeinträchtigen.
Mitunter kann eine solche Schädigung wie bei bestimmten Erbkrankheiten auch angeboren oder durch eine Geburtskomplikation bedingt sein, wie dies bei geistigen Behinderungen zumeist der Fall ist. In letzterem Fall kann das Ergebnis noch schwerer abzusehen sein und wird auch ganz wesentlich durch die Möglichkeiten zur gezielten und professionalen Förderung mitbestimmt, da durch die weitere Entwicklung des Gehirns einerseits noch viel an Verbesserung möglich ist, zum anderen aber auch eine wenig gelungene Förderung und Anpassung gerade im sozialen Bereich noch zusätzliche Schwierigkeiten hervorrufen kann.
Nicht zuletzt können auch Störungsbilder wie das Asperger-Syndrom, das Gilles-de-la-Tourette-Syndrom oder auch das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom im weiteren Sinne zu den neuropsychiatrischen Syndromen gerechnet werden. Diesen drei Syndromen ist gemeinsam, dass die Entwicklung in den meisten Bereichen und insbesondere hinsichtlich des allgemeinen Intelligenzniveaus üblicherweise vollständig normal verläuft, es aber dennoch zu Schwierigkeiten unterschiedlicher Art in anderen Lebensbereichen kommt, welche die soziale Integration und somit das Gelingen des angestrebten Lebensentwurfes erheblich erschweren können.
Auch werden alle drei Störungsbilder hierzulande immer noch häufig entweder gar nicht erkannt oder falsch zugeordnet, sodass eine entsprechende Behandlung häufig nicht oder nicht rechtzeitig einsetzt und es in Folge dann zu sekundären psychischen Begleiterkrankungen und zur sozialen Isolation der Betroffenen kommt. Nicht selten sind es solche psychischen Begleit- und Folgeerkrankungen wie Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen oder auch Suchterkrankungen, die schließlich den Anlass dazu geben, professionelle Hilfe aufzusuchen.
Oft haben sich zu diesem Zeitpunkt auch schon Begleiterkrankungen chronifiziert und können das psychiatrische Erscheinungsbild überlagern und die Diagnostik erschweren, sodass selbst dann mitunter keine korrekte diagnostische Zuordnung erfolgt und anstelle einer spezifische Behandlung auch weiterhin nur die Sekundärstörung alleine behandelt wird. Somit kann schon die Stellung der korrekten Diagnose und die damit einhergehende Veränderung therapeutischer Zielsetzungen oft eine massive Entlastung für betroffene Patienten und ihre Angehörigen darstellen. Auch eröffnet erst dies die Möglichkeit dazu, die Behandlung den speziellen Bedürfnissen der Patienten anzupassen und die mit der Störung einhergehen Eigenheiten und Qualitäten zu berücksichtigen und einzubeziehen.
Für Demenzerkrankungen und alle anderen neuropsychiatrischen Syndrome gilt grundsätzlich, dass Betroffene oft wesentlich auf ihre Angehörigen zur Unterstützung und Begleitung in sozialen oder anderen Belangen angewiesen sind, das aber auch eine enorme Herausforderung und Belastung für diese Helfer darstellen kann. Deshalb ist eine professionelle Betreuung durch den Facharzt und andere qualifizierte Stellen und Angebote für den Patienten wie oft auch ebenso für die Angehörigen wesentlich, um ein Ausbrennen der Helfer hintanzuhalten und ein soweit wie möglich angepasstes und erfüllendes Leben für die Betroffenen zu erreichen und zu erhalten.